Horst, der Alien aus Ägypten? Namensfindung leicht gemacht!


Jeder, der sich mit dem Schreiben beschäftigt, muss sich früher oder später Gedanken darüber machen, wie seine Charaktere heißen sollen. Natürlich sollen sie keinen Allerweltsnamen haben, sondern außergewöhnlich sein, damit sie dem Leser auffallen und zeigen, dass die erschaffene Persönlichkeit etwas ganz Besonderes ist. 

Da ich selber Fantasy schreibe, habe ich mich mit der Namensfindung auch auseindergesetzt. Schließlich sollten meine Leser bereits am Namen erkennen können, dass meine Wesen eben keine Menschen sind. 

Natürlich gibt es viele Möglichkeiten, seinem Charakter einen Namen zu geben: Man denkt sich einfach einen aus, nimmt den Namen eines Freundes oder Bekannten oder tippt blind in einem Namesbuch auf eine beliebige Seite. Alles möglich. Aber sinnvoll?

Ob  Roman, Kurzgeschichte oder andere Textgattung, einige Eckpunkte sollte man bei der Namensfindung beachten: 
  • In welcher Zeit spielt deine Geschichte?
  • In welchem Land spielt sie? Spielt sie in einem, dein Charakter kommt jedoch ursprünglich aus einem anderen?
  • Was für eine Art Wesen ist deine Figur?
  • Wie außergewöhnlich sollte der Name sein? Kann man ihn auch ohne Probleme lesen?
  • Gibt es Ähnlichkeiten zu anderen Namen in deiner Geschichte?
  • Ist erkennbar, welches Geschlecht deine Figur hat? Passt der Name auch zu der Persönlichkeit? 
  • Was bedeutet der Name eurer erschaffenen Persönlichkeit?
  • Wie sieht es mit dem Nachnamen aus?

1. In welcher Zeit spielt deine Geschichte?

Spielt sie in der Gegenwart, solltet ihr euch darum bemühen, Namen zu verwenden, die auch in die heutige Zeit passen. Ein mittelalterlicher Name, wie zum Beispiel Bartholomäus, sollte eher in einem Roman, der in dieser Zeit spielt, verwendet werden. Wobei gerade in den letzten Jahre "alte" Namen wieder sehr modern geworden sind. Man sollte dabei zusätzlich auf den Kontext der Geschichte achten, ob nicht doch auch ein "altertümlicher" Name seinen Reiz hat. 

Was eine Story in der Zukunft betrifft, könnt ihr, da diese ja noch nicht eingetroffen ist, etwas kreativer sein, denn wer weiß schon, welche Namen in 100 Jahren "in" sein werden. 

Gerade im Bereich des Fantastischen sollte man kleine Abgrenzungen machen. Wenn z. B. Marie durch einen magischen Spiegel in eine andere Welt gelangt, muss sie dadurch nicht einen "fantastischen" Namen erhalten, denn sie kommt ja gerade aus der "realen" Welt.

2. In welchem Land spielt eure Geschichte? Hat euer Charakter dort schon immer gelebt?

So wie es in verschiedenen Epochen unterschiedliche Namensvorlieben gibt, so gibt es auch eine länderspezifische Häufigkeit. Ihr müsst euch sicher sein, welche Vorfahren eure Figur hat. Hat seine Familie schon immer in Deutschland gelebt, ist es eher selten, dass er Muhammed heißt. Ist seine Familie aber erst vor wenigen Jahre z. B. nach Deutschland gezogen, ist dies gut möglich. 

Ebenso gibt es unterschiedliche Schreibweise zu Namen. Marie ist zum Beispiel die französische Version von Maria. Das heißt nicht, dass es in Frankreich keine Marias gibt. Vielleicht soll es auch gerade in Frankreich in eurer Geschichte eine Maria geben, obwohl der Name in dieser Form eher selten dort vertreten ist? Eine gute Recherche kann hier weiterhelfen. 

Einen ersten Überblick über einzelne Vornamen, deren Herkunft, Häufigkeit, Image sowie regionale Verteilung bietet beliebte-Vornamen.de.

3. Was für eine Art Wesen ist deine Figur?

Gerade im Fantasy-Bereich kommt es ab und an vor, dass nichtmenschliche Wesen in unserer Welt oder in Parallelwelten existieren. Um dies auch im Laufe der Geschichte etwas hervorzuheben, kann man sich für Namen entscheiden, die nicht so geläufig oder üblich sind. 

Ob man sich selbst welche ausdenkt, indem man z. B. mit seinem und dem Namen eines Freundes rumspielt oder in vorhandenen Datenbanken wie 1001 Fantasynamen umsieht, bleibt jeden selbst überlassen. 

Eine mitunter lustige Abwechselung bringt Schreiblabor mit seinem Namensgeneratur für Fantasy-Namen. Wobei man sich dort manchmal fragen muss, ob die Wörter, die ausgespukt werden, wirklich Namen sein sollen. 

Letztendlich können Aliens natürlich auch Horst heißen, doch ich denke bei diesem Namen nicht an ein kleines grünes Männchen, sondern an einen leicht untersetzen, gutmütigen Onkel.

4. Wie außergewöhnlich sollte der Name sein? Kann man ihn auch ohne Probleme lesen?

Gerade im Fantasy-Bereich habe ich schon viele tolle Namen gelesen, aber leider auch ein paar, die ich nicht einmal wirklich lesen, geschweige denn behalten konnte, wodurch ich es nach einer bestimmten Zeit nicht mehr versucht habe und dann den Namen einfach überlesen habe. Doch so sollte es nicht sein. Gerade wenn mehrerer außergewöhnliche Namen in einem Buch vorkommen, kann der Leser durcheinanderkommen oder der Lesefluss wird gestört. 

Vermieden werden sollten also Namen wie Astwkbdr... oder so. Sie sehen nicht schön aus und sind nur sehr schlecht oder gar nicht lesbar. Wenn ihr unbedingt einen exotischen Namen wollt, dass prüft vorher, ob ihr ihn aussprechen könnte. Und das ohne ihn 10mal lesen zu müssen. Ihr könnt auch Freunde und Familie fragen, ob sie diesen auf Anhieb lesen und aussprechen können. Wenn ja, steht dem nichts im Wege, euren Charakter so zu nennen. 

5. Gibt es Ähnlichkeiten zu anderen Namen in deiner Geschichte?

Ihr sollte auch ähnliche Namen vermeiden. Wenn wir zurück zu meinem Beispiel kommen, Marie braucht keine beste Freundin namens Maria. Natürlich ist das alles möglich und realistisch, jedoch habt ihr in eurer Geschichte die Macht darüber, wie eure Figuren heißen und somit könnt ihr von vornherein Verwechslungen vermeiden. Im Zweifel muss der Leser zurückblättern und wird somit aus der Geschichte gerissen. Das will keiner. 

6. Ist erkennbar, welches Geschlecht deine Figur hat? Passt der Name auch zu der Persönlichkeit? 

Auch sie sind in der letzten Zeit immer moderner geworden: geschlechtsneutrale Vornamen wie Jules oder Luka. Wenn ihr es euren Lesern "leicht" machen wollt, nehmt eindeutige Namen. Meist ergibt sich im Laufe der Geschichte sowieso an dem Verhalten und den Aktivitäten eurer Figur, welchem Geschlecht sie angehört. Jedoch kann ein neutraler Name anfangs zu Verwirrungen führen.

Ich finde es auch wichtig, dass der Name zu der Persönlichkeit und dem Charakter eurer Figur passt. Das könnt ihr ganz anders sehen als eure Leser. Auf der Seite beliebte-Vornamen.de gibt es jeden Namen ein sogenanntes Namensprofil, zurückgehend auf die Seite "Onomastik", bei der Leser das Image des Namens einschätzen können. Gottlieb ist beispielsweise ein Name, den man eher mit Unsportlichkeit assoziiert, im Gegensatz zu Cristiano. Werft ruhig mal einen Blick darauf, denn jeder Mensch verbindet andere Eindrücke und Erfahrungen mit Namen. 

7. Was bedeutet der Name eurer erschaffenen Persönlichkeit? 

Es mag sich nicht jeder damit beschäftigen, aber es können sehr wohl Menschen unter euren Lesern sein, die sich mit der Bedeutung von Namen auskennen. Ich finde die Bedeutung auch sehr interessant, da sie auch mit der Namensabstammung zusammenhängt, habe mich damit aber vorher nie genauer beschäftigt. 

Die Seite Namen-Namensbedeutung bietet eine kleine Zusammenfassung zu jedem Namen. Manche mögen es, dass auch die Bedeutung zu der Persönlichkeit der Figur passt, anderen ist das wiederum nicht so wichtig. Autoren, die ihren Protagonisten nicht unbedingt indirekt "Teufel" oder dergleichen nennen wollen, sollten sich die Bedeutung des Charakternamens vielleicht etwas genauer ansehen. 

8. Wie sieht es mit dem Nachnamen aus?

Auch hier gilt das zuvor Gesagte, jedoch sollte man bei dem Nachnamen des Charakters auch darauf achten, dass er eine gewisse Harmonie mit dem Vornamen eingeht. 

Hier können der Mikronationale Namensgenerator und der Realnamen-Generator des Schreiblabors Abhilfe schaffen. Der Mikronationale Namensgenerator hat zwar weniger Möglichkeiten zu spezifizieren, was er generieren soll, jedoch kann man hier vorab aus mehreren unterschiedlichen Sprachfamilien wählen. Er erstellt dann einen ländertypischen Vor- und Nachnamen. Der Realnamen-Generator lässt da einiges mehr zu, wie beispielsweise Anfangsbuchstaben oder Doppelnamen. 


Letztendlich ist es das Privileg eines Autors, das schreiben zu können, was er will, ob es auch gelesen wird, steht wieder auf einem anderen Blatt. Hiermit wollte ich euch nur zeigen, dass die Namensfindung unter anderem viel mehr Arbeit sein kann, als gedacht. Ich hoffe, dass euch die Tipps helfen, passende Namen für eure Charaktere zu finden. 

Habt ihr noch weitere Tipps oder Anregungen? Dann schreibt mir gern. Ich bin gespannt.

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