Mit einem Akkord von David hat alles begonnen – Interview mit Nicole Böhm

Das Multitalent Nicole Böhm lebt mit ihrem Mann und ihrem Vollblutaraber Bashir in der malerischen Domstadt Speyer in Rheinland-Pfalz. Nach ihrem Zeichenstudium in Phoenix und einer Musicalausbildung in New York ist sie nun in einer Rechtsabteilung tätig und arbeitet als Fotografin. Wie sie durch ihre vielen unterschiedlichen Interessen zum Schreiben gekommen und dadurch die Reihe der „Chroniken der Seelenwächter“ entstanden ist, bin ich auf dem Grund gegangen. 

Du schreibst auf deiner Website, dass alle Fäden deines Lebens in „Chroniken der Seelenwächter“ zusammenlaufen. Denkst du, dass alles genauso kommen sollte, nachdem du ja bereits viel ausprobiert hast und in mehreren Branchen tätig warst?

Ja. Das glaube ich tatsächlich. Manchmal habe ich das Gefühl, das alles, was bisher in meinem Leben geschah, mich auf genau diese Sache vorbereiten wollte. Ich bereue es nicht, so viel ausprobiert zu haben, auch wenn ich auf den ein oder anderen Umweg im Nachhinein hätte verzichten können. 

In welchem deiner vielen Tätigkeitsfelder fühlst du dich am wohlsten – Welches macht dir am meisten Spaß?

Das sind gleich mehrere: schreiben, malen, fotografieren. Ich liebe sie alle drei. Am liebsten würde ich wieder mehr fotografieren und Szenen aus meinen Büchern mit Models inszenieren. Im Moment bin ich im Gespräch mit einigen Fotografen. Es wird also bald auch wieder Bilder und einen neuen Trailer geben.

Wie sieht bei dir ein typischer (Arbeits-)Tag aus? Und wo tust du das für gewöhnlich?

"Mein Laptop, an dem ich meistens arbeite. Den kann ich halt überall mit hinnehmen."
Unter der Woche stehe ich zwischen fünf und halb sechs auf. Bis mein Zug geht, fange ich schon mal an zu plotten und lese das Geschriebene vom Vortag. Dann checke ich noch die Social-Media-Kanäle wie Facebook, Lovelybooks usw. Außerdem kann ich Posts auf Facebook vorbereiten, die am Tag erscheinen. Das ist ein überaus praktisches Tool und hilft enorm.

Die Zugfahrt nutze ich wieder fürs erste Schreiben. Da geht es weiter mit Plotten oder Gedanken für Szenen aufschreiben oder Texte lesen. Dann beginnt mein normaler Büroalltag. Meistens fallen mir tagsüber Ideen fürs Buch ein, die schreibe ich mir auf und verwerte sie später. Die Mittagspause nutze ich mittlerweile ebenfalls zum Schreiben und Beantworten von Mails. Um fünf habe ich Feierabend. Es folgt eine weitere Zugfahrt, auf der ich wieder arbeiten kann. Zu Hause treibe ich meistens eine Stunde Sport (der Stress muss wieder raus) und esse zu Abend. Ab da geht das Schreiben weiter und ich sitze meistens bis etwa 23 Uhr vor dem Rechner. Die Wochenenden sind etwas entspannter – da ich ja nicht ins Büro muss. Da kann ich auch mal ein Bild malen oder eben weiter schreiben. Leider gibt es auch Tage, an denen ich mein Pensum nicht schaffe, daher kommt es auch hin und wieder zu Verzögerungen bei den Veröffentlichungen. Aber ich gebe alles, damit ich es pünktlich schaffe. Zum Glück hat mein Umfeld sehr viel Verständnis für mich. 
"Das ist mein großer Arbeitsplatz."
 
Am 30.07.2015 ist Band 11 deiner Reihe erschienen, doch wie kamst du auf die Idee zu der Handlung und letztendlich zu den Büchern?

Die Idee stammte ursprünglich aus einem Lied (siehe Frage 5). Ich hatte mich hingesetzt und mir eine ganze Reihe an Optionen ausgedacht. Erst wollte ich, dass jeder, der das Lied spielte, sich von Gott etwas wünschen könnte, aber das ähnelte mir zu sehr Cassandra Clares Grundidee mit ihrem Engel am Ende von Band 3 aus „Die Chroniken der Unterwelt“. Daher erschuf ich eine komplett eigene Welt. Ursprünglich waren Vampire vorgesehen, der Boom ging auch an mir nicht vorüber, doch im Laufe des Plottens stellte ich fest, dass ich nicht auf den Zug aufspringen will und lieber etwas Neues möchte. Die Idee zu den Schattendämonen entstand, und so ergab eins das andere.
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Welcher Song war es denn, der dich inspirierte?

Hallelujah von Jeff Buckley. Auf einer Autofahrt mit meinem Mann lief das Lied und die erste Songtextzeile: I heard there was a secret chord, that David played and it pleased the Lord. Das gab den Ausschlag. Die Zusammenhänge werden in Band 11 erklärt, aber aus dieser Zeile ist im Grunde mein gesamter Plot entstanden.

Jaydee hatte ich am Anfang des ersten Bandes als Antagonisten gesehen. Wie kam es dazu, ihn eher als eine Art „Anti-Helden“ zu gestalten?

Jaydee und ich… wir beide haben einen langen Weg hinter uns. Er war einer der Charaktere, die von Anfang an absolut klar für mich waren. Er war schon immer der Anti-Held gewesen, zerrissen zwischen Gut und Böse, mit einer eindeutigen Tendenz fürs Böse. Ich weiß nicht, woher er kam oder was mich auf die Idee zu ihm brachte, aber ich habe lange mit ihm gehadert. In der ersten Idee hieß er z.B. noch Christopher und lebte mit seinem Bruder zusammen. Die beiden waren eine Art dämonische Kopfgeldjäger. Chris‘ Bruder saß im Rollstuhl, weil Chris ihn vor vielen Jahren dermaßen verprügelt und ihn so schwer verletzt hatte, dass er gelähmt war. Nicht sehr nett also. 

Aus Chris wurde Jaydee, der Bruder fiel weg, die Seelenwächter kamen, und Jay war noch immer recht gewalttätig. In den ersten Entwürfen habe ich ihn machen lassen, dann kamen Testleser, die sagten: Das geht nicht! Der ist voll der Berserker! Das kannst du so nicht lassen.

Also habe ich ihn weicher gemacht, aber das hat hinten und vorne nicht gepasst. Der Charakter wollte das nicht. Meine liebe Freundin Sarah (die auch in der Widmung steht) hat mich schließlich ermutigt, ihm die Fesseln wieder abzunehmen und ihn so zu schreiben, wie er ist. Und so blieb es dann. Das erste Zusammentreffen zwischen ihm und Jess hat mich lange, lange beschäftigt. Die Szene gibt es in hundert verschiedenen Varianten, und selbst, als sie veröffentlicht war, dachte ich noch: „Oh Gott! Sie werden ihn hassen!“ Vielleicht tun das manche Leser auch, ich weiß es nicht, aber die Mehrheit kommt sehr gut mit ihm klar – und ich auch. Wir beide haben unseren Weg gefunden, wobei ich mich manchmal immer noch frage, wie weit er eigentlich gehen darf…

Mit welcher Figur aus deinen Büchern hast du am meisten gemeinsam? Wen würdest du am liebsten auf der Bühne verkörpern?


Puh! Schwere Frage! Vermutlich tippen die meisten jetzt auf Jess, aber ich glaube nicht, dass wir so viel gemeinsam haben, außer die schrägen Gedanken hin und wieder. Daher nehme ich mal Anna. Ich mag ihre Stille und ihre Zurückgezogenheit. 


Du sagtest, dass dir ihr Zurückhaltung und Stille gefällt. Wie kam es dann dazu, dass du in einer Rockband gesungen hast? Wann war das und wo?
 
Haha! Das war direkt, als ich aus Amerika zurückgekommen bin. Ich wollte singen, und über einen Bekannten hatte sich die Möglichkeit geboten. Wir haben jeden Samstag gemeinsam geprobt und ein paar wenige Auftritte gehabt. Es war spaßig. Ein Hobby, mehr nicht. 

Also noch ein Talent: Das Singen! Du hast in Phoenix (Arizona) ein Zeichenstudium absolviert, was dir natürlich dabei hilft, wenn du die Cover deiner Bücher selbst gestaltest. Wonach entscheidest du, welches Element des Bandes das Cover zieren soll?

Die Cover selbst macht ja Arndt Drechsler. Ich setze das Motiv vorher fest, und das entscheide ich recht intuitiv. Wenn ich eine Idee habe, schicke ich sie ihm, er sagt mir, ob es möglich ist und setzt sich dran. Ich bekomme seinen Entwurf, und entweder arbeiten wir den noch aus, oder er passt sofort. Ich versuche, immer einen Bezug zum Inhalt über die Bilder herzustellen.

Welches ist dein Lieblings-Cover der bisher erschienenen 11 Bände? Und welches ist inhaltlich dein Favorit?

Band 5. Die Harfe. Weil es mit dieser Idee angefangen hat und jetzt so groß gewachsen ist.

In deinen Büchern können die Seelenwächter mithilfe von den Parsumi (kräftigere, klügere und schnellere Pferde) innerhalb von Sekunden die Welt umrunden. Wünschst du dir auch manchmal zu teleportieren? Vielleicht mit deinem eigenen Pferd Bashir?

Oh ja!!! Wie oft philosophiere ich mit Sarah darüber, wenn wir gemeinsam ausreiten gehen. Das wäre doch grandios! Aufs Pferd setzen, losgaloppieren und binnen Sekunden an der Karibik am Strand stehen – da wäre ich sofort dabei. Übrigens sind alle Pferdenamen in den Bänden echt. Also alles Pferde, die ich kenne. 

Du schreibst Urban-Fantasy. Ist das auch dein bevorzugtes Genre beim Lesen? Was liest du noch gern?

Ja, ich lese sehr gerne Urban-Fantasy, sage aber auch nicht Nein zu Dystopien wie Tribute von Panem oder Mainstream wie Shades of Grey. Von Sebastian Fitzek hab ich auch schon einiges durch. Mein Geschmack ist kunterbunt gemischt. Nur Krimis mag ich nicht sonderlich. 

Fast jeder hat ja ein Motto, kennt einen Spruch oder ein Zitat, mit dem er sich identifizieren kann. Als Letztes würde ich gern wissen, welches dich am besten beschreibt.

Auch schwierig. Ich bin nicht so der Sprüchesammler. Einer, der mir jedoch viel geholfen hat, ist von Leonardo da Vinci: 

"Art is never finished, only abandoned." 

Genauso geht es mir beim Schreiben, beim Malen, beim Fotografieren. Ich bin ziemlich perfektionistisch und kann mich mit Kleinigkeiten lange aufhalten. Das musste ich mit diesem Projekt ablegen, weil ich sonst noch immer an Band 1 feilen würde. Irgendwann muss man zurücktreten und das Werk loslassen. Für mich immer der schwerste Moment. Auch nach elf Bänden sitze ich jedes Mal da – und bibbere.



Die komplette Reihe ist erhältlich bei Amazon. Aktuelle News rund um die Seelenwächter und Nicole Böhm erhaltet ihr außerdem auf Facebook, Twitter, Google+ und Pinterest.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, dass du dir die Zeit für mich und mein erstes Interview genommen hast. Ich hatte viel Spaß.

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