Vom Streben nach (Un-)Perfektion und dem Kleiden von Büchern - Interview mit Irina Bolgert

Irina Bolgert kommt aus Chemnitz und ist ein Kind einer kreativen Familie, die einfach nicht schlafen mag, da sie immer am Arbeiten ist. So kam es auch, dass sie die Werte ihrer Eltern übernommen hat. Ursprünglich kommt Irina aus Kasachstan und lebt bereits seit ihrem 11. Lebensjahr in Deutschland. Ihre Ausbildung zur Grafikerin hat sie 2007 abgeschlossen und seitdem arbeitete sie in unterschiedlichen Werbeagenturen, was sie aber nicht erfüllt hatte, weswegen sie sich mit Bookdresses Coverdesign für die Selbstständigkeit entschieden und dies kein einziges Mal bereut hat.

Wie kamst du dazu, Buchcover zu designen? Gab es da einen bestimmten Auslöser? 

Früher habe ich oft Fotos von Freundinnen bearbeitet, sie in magische Landschaften gesetzt und ihre Kleider mit Photoshop verbrannt. Das war immer das, was ich machen wollte, aber so etwas Cooles macht man in einer Werbeagentur nur selten, weswegen ich mich gelangweilt habe. Bücher illustrieren wollte ich schon immer, aber mir war einfach nicht klar, wie ich Kontakte knüpfen sollte. Als ich dann selbst angefangen habe, zu schreiben, habe ich viele Autoren kennengelernt und so auch beschlossen, mich als Buchcoverdesignerin zu verwirklichen.

Hier mal ein paar Fotomontagen von früher:
 

Was hat dich dazu bewogen, dies professionell und hauptsächlich über das Internet anzubieten?  

Viele Grafiker machen sich eines Tages selbstständig, weil es so einfacher ist, an Projekten und mit Agenturen zu arbeiten. Ich habe Jahre lang Ausreden gesucht, um dieses Risiko nicht eingehen zu müssen. Der Wunsch war zwar da, aber ich konnte mir nicht vorstellen, das, was ich nicht so gern für einen Arbeitgeber mache, auch noch eigenverantwortlich zu machen. Was fehlte, waren Projekte, die mich vom ganzen Herzen einnehmen und das habe ich im Buchcoverdesign gefunden. 

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus, an dem du deine Kreativität auslebt? Gibt es bestimmte Orte der Inspiration für dich?

Mein Arbeitsplatz sieht sehr langweilig aus. Das hat auch einen guten Grund: Da ich viel online bin, habe ich genug Ablenkung und brauche deswegen einen schnörkellosen Arbeitstisch (auch, wenn er manchmal schon chaotisch aussieht). Trotz Schlichtheit, erhalte ich meine Inspiration an diesem Platz, denn ich bin ein optischer Typ und zucke jedes Mal zusammen, wenn ein inspirierendes Foto, eine schöne Illustration, oder ein Video meinen Weg kreuzt. Das Internet ist voll davon. Ganz besonders mag ich Dinge aus fernen Ländern - Dinge, die man sonst nicht kennt. 

Wie gehst du vor, wenn du einen Auftrag für ein Cover bekommst? Musst du dafür das ganze Buch kennen, sagen dir deine Kunden nur, wie sie es sich vorstellen oder lässt du dir den Inhalt kurz zusammenfassen? 

Autoren und Grafiker haben keine Zeit. Das ist der Ausgangspunkt, den beide Seiten verstehen. Ich liebe es zu lesen, aber für einen Auftrag kann ich mir leider nicht so viel Zeit nehmen, jedes Buch zu lesen.

Von mir gibt es dann einen ausführlichen Fragebogen, den die Autoren ausfüllen. Das gibt mir ein gutes Bild von der Geschichte und wenn ich noch Fragen habe, stelle ich sie.

Anschließend gehe ich mit diesem Projekt mehrere Tage schwanger und suche intuitiv nach Ideen, die ich dann präsentiere. Erst dann geht es los mit der eigentlichen Gestaltung. Hier ist es wichtig, dass der Autor meine bisherigen Cover kennt, damit er grob meinen Stil einschätzen kann. Eine Skizze oder ein grober Entwurf ist kaum möglich, weil ich im Kopf das fertige Cover bereits sehe, aber der Autor Panik bekommt, dass es genauso unfertig bleibt, wie in dem Entwurf. Das ist das, was das Arbeiten ein wenig erschwert, aber ich hatte bis jetzt fast nur gute Erfahrungen.

Auf der Website von Irina bookdresses-coverdesign.com könnt ihr euch weitere Infos zur Covergestaltung holen.

Welches ist dein Lieblingscover, das du geschaffen hast und wieso? 

Das Cover "Wind" ist mein Lieblingscover. Ich habe so viel Zeit da reingesteckt und es so gestaltet, wie es mir gefällt. Offensichtlich habe ich dadurch den Geschmack vieler getroffen, was mich freut. Es ist ein PreMade-Cover, eine fertige Gestaltung, die ein Autor kaufen kann, wenn seine Geschichte dazu passt. Bis jetzt hat sich noch niemand dazu gemeldet, auch wenn ich schon oft gehört habe, dass sie die Geschichte dahinter gern lesen würden. Tja, das ist doch mal ein Kaufversprechen an den Autor, der die Geschichte dazu schreibt :) Übrigens kann man über die PreMades den Kauftrend schon sehen. Die Cover, die am besten ankommen, werden dann auch interessanterweise sehr oft verkauft. Wer ein super schlauer Autor ist, weiß, was zu tun ist, oder? ;)

Welche sind deine Stärken beim Designen und wo möchtest du dich gern noch verbessern? 

Meine Stärken liegen in der Fotomontage, mit illustrativen Elementen. Somit kann ich fast jede Stimmung und jeden Ort erschaffen. Mit meiner Typografie bin ich noch nicht immer zufrieden, das liegt auch größtenteils an den Schriften, die mir zur Verfügung stehen. Da werde ich mal einen Happen Geld für richtig gute Schriften ausgeben müssen :) 

Wovon lässt du dich leiten, wenn du designst und illustrierst?

Ich strebe nicht nach Perfektion, sondern nach dem super schönen Ausdruck. Auch unperfekte Cover können toll aussehen, deswegen kann es hier und da mal ruhig schwächeln, solange der Gesamteindruck geil ist. Ein Cover ist für mich die Zusammenfassung der Geschichte, die es kleidet. Wenn ich es nicht schaffe, mit dem Bild eine Geschichte zu erzählen, bin ich nicht zufrieden und genau das leitet mich (manchmal leide ich auch :D). 

Welche Unterschiede kannst du zwischen deinen ersten und deinen neuesten Illustrationen feststellen?  

Mein Stil hat sich total verändert. Früher habe ich mit Buntstiften und dem Kugelschreiber illustriert und mir so die Hand kaputtgemacht. Das ist auch der Grund, warum ich nur noch Digital-Arts erstelle. Besonders die Vektorgrafik hat es mir angetan, einfach, weil sie nicht jeder benutzt.
frühere Illustrationen












neue Illustrationen


Worauf sollten deiner Meinung nach Anfänger achten, wenn sie auch mal ein Cover oder etwas anderes gestalten wollen? 

Anfänger sollen sich an wirklich guten Cover orientieren. Also immer schauen, was die Profis draufhaben und nicht, wie schlecht andere sind. Auch die Typografie und der Satz ist nicht zu vernachlässigen. Bei vielen Cover von Neulingen kann man sehen, dass sie sich nur auf das Bild stürzen und die Schrift dann irgendwie lieblos hinklatschen. Grafik ist nur zu einem Teil ein Talent, der größte Bereich muss vom Handwerk abgedeckt werden. Das kann man erlernen. Holt euch also ein gutes Buch zum Grafikdesign und Layout und paukt. Klar, das mag öde und trocken sein, aber es lohnt sich. Wer nicht also nur Fotomontagen machen will, sondern in Richtung Coverdesign geht, soll wieder die Schulbank drücken. 

Du bist ja nicht nur Grafikerin, sondern hast auch 2014 unter dem Pseudonym „Anna Moffey“ deinen ersten Roman „Nebelring – Das Lied vom Oxean“ veröffentlicht. Wie kam es dazu und wie kamst du auf die Idee rund um den Nebelring und Zoe? 

Die meisten kreativen Menschen sind nicht einseitig kreativ, sondern strecken ihre Antennen weit aus, um jede Facette mitzunehmen. So ist es auch bei mir. Ich habe schon immer gern Geschichten ausgedacht, sei es für einen Roman oder einer Illustration. Storytelling ist ja auch im Marketing angekommen. Menschen lieben Geschichten und ich gebe sie ihnen gern :)
Auf die Idee mit Nebelring kam ich durch einen Chatfreund aus meiner Jugend. Wir schrieben immer an Fortsetzungsgeschichten und da habe ich die Welt mit dem Nebel erschaffen. Das Setting reifte viele Jahre und hat eine Menge Wandlungen durchlebt, bis es schließlich Zoe erreichte.
Meine Story hat sich mit mir entwickelt und irgendwann mal rieten mir Freunde und meine Eltern, Zoe endlich in die Welt zu lassen, um Platz für neue Geschichten zu schaffen. Tada! Und so veröffentlichte ich Nebelring :)
"Nebelring - Das Lied vom Oxean" ist bei Amazon erhältlich.
Gibt es einen Spruch oder ein Zitat, der/das dich perfekt beschreibt und wenn ja, wieso? 
Sich immer wieder neu erfinden. 

Das beschreibt mich perfekt. Gibt es Probleme, suche ich nach Lösungen. Ich bilde mich unaufhört weiter, lese Ratgeber und schaue mir Tutorials an (zu so vielen Themen, ob privat oder geschäftlich).

Das Leben ist im ständigen Wandel, warum dann nicht auch wir? :)


Alle Infos zu Irinas Coverdesign erhaltet ihr auf ihrer Website oder bei Facebook. Zudem ist sie auf Pinterest, Twitter, Instagram und Deviant Art zu finden.
Alle aktuellen News rund um Anna Moffey und ihr Buch "Nebelring" bekommt ihr auf ihrer Website, bei Facebook und Twitter.  

Ich danke dir für das tolle Interview! Es hat mir viel Spaß gemacht!

CONVERSATION

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Back
to top