Empathische 'Prophetin' mit vielseitigem Engagement - Interview mit Kathrin Lange

Kathrin Lange ist in dem einen Leben Schriftstellerin, im anderen Buchhändlerin. Sie wurde 1969 in Goslar am Harz geboren, lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Dorf in Niedersachsen und ist Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Als wäre das nicht schon genug, ist sie zudem engagierte Flüchtlingshelferin, Frauchen von einem verfressenen Labradormädchen, Buchjunkie sowie Autorin von so unterschiedlichen Büchern wie den Fabelmacht-Chroniken und der Faris Iskander-Reihe.

Wie kam es dazu, dass du in zwei so unterschiedlichen Genres – Jugendbüchern und Thrillern – zu Hause bist? Wieso schreibst du solche Bücher am liebsten?

Mein erstes Jugendbuch entstand 2005, als ich noch historische Romane geschrieben habe. Ich hatte über das 10. Jahrhundert so viel recherchiert, dass ich daraus problemlos noch ein Buch – „Die verbrannte Handschrift“ – machen konnte. Und als ich dann anfing, Thriller zu schreiben, kam der Arena Verlag auf mich zu und wollte einen Roman für ihre Jugendthriller-Reihe. So entstand „Schattenflügel“, das auf der SPIEGEL-Bestsellerliste war und damit mein bisher erfolgreichstes Jugendbuch.

Ich schreibe Thriller, weil ich sie selbst unheimlich gern lese, und ich denke oft: Das würde ich ganz anders machen! Dann kommen die Ideen meist von ganz allein.

Neben dem Autorenleben leitest du auch Schreibseminare. Wie läuft ein solches ab und an wen genau richten sie sich?


Der Ablauf ist immer anders, je nachdem, was die Teilnehmer brauchen. Immer aber schauen wir uns ihre Texte an und versuchen, sie zu verbessern. Darüber hinaus gebe ich Tipps zum Plotten, erkläre, wie der Buchmarkt funktioniert, helfe bei Schreibproblemen und -krisen…

Von Anfang an begeisterte dich das geschriebene Wort. Was genau fasziniert dich am Schreiben, Lesen und an Büchern allgemein?

Ich liebe es, auf diese Weise verschiedene Leben leben zu können, in andere Welten abzutauchen und für ein paar Stunden lang ein anderer Mensch zu sein. Kein anderes Medium auf der Welt kann einen so sehr in den Kopf einer Figur eintauchen lassen, wie es die Literatur kann. Da kommen auch die perfekt erzählten Serien der BBC oder aus Amerika nicht mit.

Dein neuester Thriller – Band 3 der Faris-Reihe - erschien am 19. Dezember 2016. In „Ohne Ausweg“ geht es um den Berliner Sonderermittler Faris Iskander, der sich in seinem dritten Fall als Islamist ausgeben und seine terroristischen Absichten gegenüber einem mutmaßlichen Terroristen glaubhaft machen soll. Er als Spezialist für religiös motivierte Verbrechen muss das erste Mal undercover arbeiten. Was hat dich bewegt mit dieser Reihe in diese Thematik abzutauchen und darüber zu schreiben? 

Ich habe Faris erfunden, lange bevor das Thema Islamismus so aktuell wurde. Er ist eigentlich als Ermittler in religiös motivieren Verbrechensfällen gedacht gewesen. Naja, und als es dann mit dem islamistischen Terrorismus losging, musste er sich darum kümmern. Das Ganze ist mir sozusagen „auf die Füße“ gefallen. Du kannst dir vorstellen, dass es nicht immer einfach ist, diese Bücher zu schreiben. Die Berliner Zeitung zum Beispiel schrieb gerade über mich: „Wenn Kathrin Lange schreibt, klingt es immer, als würde sie die Nachrichten von morgen prophezeien.“ Aber ich finde es wichtig, auch solche Geschichten zu erzählen, weil sie in die Köpfe der Täter führen. Mit meinen Faris Iskander-Thrillern will ich Antworten auf die Frage finden, warum Menschen so schreckliche Dinge tun. 

Wer oder auch was hat dich auf die Idee hinter „Die Fabelmacht Chroniken“ gebracht? Woher kam deine Inspiration dazu?

Die Idee, dass jemand durch sein Schreiben die Realität verändern kann, habe ich schon ganz lange. Aber jetzt erst war die Zeit, daraus eine Romanserie zu machen. Inspiration dafür hole ich mir auf meinen Reisen. Für diesen Roman war ich z.B. in Paris. Und natürlich hole ich mir Inspiration auch beim Lesen, in diesem Fall habe ich viel Lyrik gelesen, Baudelaire hauptsächlich, aber auch Rilke, Benn oder Else Lasker-Schüler. Aber das klingt jetzt total abgehoben. Letztendlich ist „Die Fabelmacht-Chroniken – Flammende Zeichen“ eine ganz und gar romantische und spannende Fantasy-Liebesgeschichte geworden, die allen Fans der „Herz aus Glas“-Serie hoffentlich gut gefallen wird. 

Mila kann in „Flammende Zeichen“ in ihren Geschichten die Wirklichkeit umschreiben. Hättest du diese Fähigkeit auch gern?

Wenn du den Roman liest, dann weißt du, dass die Antwort darauf ein klares Nein ist. ;-) Ich begnüge mich damit, in meiner Fantasie Dinge passieren zu lassen. Das ist schon aufreibend genug. Obwohl, einen Typen wie Nicholas herzuschreiben … kleiner Scherz.

Wie geht es nach dem 1. Teil weiter – Gibt es schon genauere Informationen zu Band zwei und drei?

An Band 2 arbeite ich gerade, und er wird im nächsten Jahr erscheinen. Ob es einen dritten Teil geben wird, hängt ein bisschen davon ab, wie gut sich die ersten beiden verkaufen.

Du schreibst in sehr unterschiedlichen Genres. Liest du selbst auch so vielseitig oder hast du da eine bestimmte Vorliebe?

Ich lese viele Thriller, aber darüber hinaus ziemlich querbeet. Fantasy, Lovestories, auch mal das, was man anspruchsvolle Literatur nennt. Ich bin da nicht wählerisch, sondern entscheide danach, was sich gerade für mich gut anfühlt.

Was ist dein absolutes Lieblingsbuch, von dem du der Meinung bist, dass man es gelesen haben muss und wieso?

Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe, ist „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger, einfach weil es großartig geschrieben ist und mich so unfassbar heftig zum Weinen gebracht hat. Aber alle Romane von Robert B. Parker, meinem absoluten Leib-und-Magen-Autor kann ich deinen Lesern nur ans Herz legen. Wer hardboiled Krimis mag, wird ihn lieben. Naja, und die City of Bones-Reihe von Cassandra Clare finde ich auch ziemlich gut – was möglicherweise daran liegt, dass sie gemeinerweise darin einige Ideen hatte, über die ich auch schreiben wollte. 

Und noch kurz zum Abschluss: Gibt es ein Zitat oder einen Spruch, das/der dich schon längere Zeit begleitet und dich perfekt beschreibt? Wenn ja, wieso?

Über meinem Schreibtisch hängt ein Bild mit einem Tattoo, das lautet:
Still I rise. 
Vielleicht ist es das, was mich ausmacht. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und freue mich immer über neue Erfahrungen.


Vielen Dank Kathrin für dieses tolle Interview! <3

Wenn ihr weitere Information zu Kathrins Büchern, Seminaren und ihrem allgemeinen Schaffen haben möchtet, findet ihr diese auf ihrer Seite, bei Facebook und Twitter. Alle ihre Bücher gibt es bei den erwähnten Verlagen oder beim großen A. :)

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